{"id":16171,"date":"2025-02-21T10:21:53","date_gmt":"2025-02-21T10:21:53","guid":{"rendered":"https:\/\/force8.coach\/nzz-swiss-ski-command-center\/"},"modified":"2025-02-21T10:26:51","modified_gmt":"2025-02-21T10:26:51","slug":"nzz-swiss-ski-command-center","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/force8.coach\/de\/nzz-swiss-ski-command-center\/","title":{"rendered":"NZZ Swiss Ski Command Center"},"content":{"rendered":"<p>Swiss Ski nutzt im neuen Command Center die Wissenschaft, <strong>um Athleten noch schneller zu machen<\/strong> \u2013 dabei z\u00e4hlt jede Sekunde<\/p>\n<p><strong>Remo Geisser, NZZ<\/strong><\/p>\n<p>Ende Januar, Ski-Weltcup in Schladming: Thomas Tumler steht im Starthaus, ein Piepston k\u00fcndigt an, dass das Rennen gleich losgeht. Als sich der Athlet abst\u00f6sst, brandet am Pistenrand Jubel auf. Hunderte Kilometer entfernt greifen <strong>Bj\u00f6rn Bruhin<\/strong> und <strong>Luca von Siebenthal<\/strong> in einem Raum voller Bildschirme zur Computermaus. Im sogenannten Command Center am Swiss-Ski-Sitz in Worblaufen bei Bern erfassen die beiden Daten, die sie wenig sp\u00e4ter per Whatsapp nach Schladming schicken werden.<\/p>\n<p>Sie tragen ihren eigenen Wettkampf gegen die Zeit aus und wirken trotzdem v\u00f6llig entspannt, kommunizieren in kurzen S\u00e4tzen. Luca von Siebenthal verfolgt auf dem Bildschirm direkt vor sich einen Stream, den der TV-Sender SRF zur Verf\u00fcgung stellt. Auf diesem Kanal treffen die Bilder etwas schneller ein als bei den Fernsehkonsumenten.<\/p>\n<p><strong>Steckbrief des Weltcup-Slaloms<\/strong><\/p>\n<p>Auch der Swiss-Ski-Coach am Start in Schladming empf\u00e4ngt diesen Stream auf einem Tablet. So kann Lo\u00efc Meillard, der mit der Nummer 5 ins Rennen gehen wird, die Fahrt von Tumler einen Tick fr\u00fcher verfolgen, als wenn er das \u00fcbliche TV-Signal zur Verf\u00fcgung h\u00e4tte. Im Rennmodus z\u00e4hlt jede Sekunde. Das gilt auch im Command Center. Sobald Tumler im Ziel ist, f\u00e4ngt von Siebenthal an, den Lauf des Fahrers zu vermessen.<\/p>\n<p>Luca von Siebenthal setzt im TV-Bild bei jedem Tor einen Punkt und misst die Zeit, die der Athlet von einer Stange zur n\u00e4chsten braucht. Im Riesenslalom seien das durchschnittlich 1,3 Sekunden, wirft Bruhin ein, der daneben an einem anderen Bildschirm arbeitet. Im Slalom dauert es durchschnittlich nicht einmal 0,9&amp;nbsp;Sekunden von einem Tor zum n\u00e4chsten.<\/p>\n<p>Der Ski-Weltverband FIS stellt den Teams ausserdem f\u00fcr jedes Rennen einen Datensatz zur Verf\u00fcgung, in dem unter anderem der Abstand von Tor zu Tor, der seitliche Versatz und das Gef\u00e4lle festgehalten sind. Das und die Zeitintervalle von Tor zu Tor ergeben eine Art Steckbrief der Weltcup-Slaloms.<\/p>\n<p>Dieser hilft den Trainern bis hinunter in den Nachwuchs, Trainingsl\u00e4ufe auszuflaggen, die m\u00f6glichst nahe an der Realit\u00e4t des Elitesports sind. Die Zeiten, als die Stangen nach Gef\u00fchl in den Schnee gebohrt wurden, sind l\u00e4ngst vorbei: Heute wird auch im Training jedes Tor vermessen. Dennoch gibt es pers\u00f6nliche Vorlieben. Es w\u00e4re m\u00f6glich, f\u00fcr jeden Kurssetzer im Weltcup eine Art Schablone der typischen L\u00e4ufe zu erstellen. Doch das ist noch Zukunftsmusik.<\/p>\n<p>Bj\u00f6rn Bruhin leitet die Forschung bei Swiss Ski, und das Command Center ist nur eines seiner Projekte. Im vergangenen Jahr wurde das Konzept in einer Projektphase getestet, auf diese Saison hin hat Swiss Ski den Computerraum in Worblaufen installiert. An grossen Rennen gibt es auch mobile Einheiten, an den WM in Saalbach arbeiten die Wissenschafter wie schon im Januar an den Lauberhornrennen in einem Hotelzimmer. Das Command Center in Worblaufen ist w\u00e4hrend achtzig Tagen in Betrieb, neben den Alpinen werden auch die Freestyler und die Nordischen mit Daten versorgt.<\/p>\n<p>An den Abfahrtsstrecken stellen die Teams an verschiedenen Positionen Wetterstationen auf. Zudem vermisst Swiss Ski mit GPS die gesamte Piste. Bruhin und seine Kollegen suchen eine Position am Gegenhang, von der aus sie m\u00f6glichst die ganze Strecke filmen k\u00f6nnen. Dann legen sie Abschnitte fest, in denen die Fahrer miteinander verglichen werden. Dabei hilft auch ein GPS-Tracker, den sich die Athleten vor dem Start unter den Anzug schieben.<\/p>\n<p>In Speedrennen wird auch immer festgehalten, welcher Athlet mit welchem Anzug unterwegs ist. Ihnen stehen Kombis mit verschiedenen Stoffen und Schnitten zur Verf\u00fcgung. Ziel ist es, herauszufinden, was bei welchen Bedingungen schnell ist, denn im Windkanal l\u00e4sst sich die Natur nicht vollst\u00e4ndig simulieren. Ausserdem will Swiss Ski wissen, wie oft ein Anzug gefahren wird. Bei den Topathleten gilt die Regel, dass ein Anzug einmal in einer Abfahrt und einmal in einem Super-G getragen wird. Danach gen\u00fcgt er noch f\u00fcrs Training, oder er wird an untere Kader weitergereicht.<\/p>\n<p><strong>Vergleich mit schnellstem Fahrer<\/strong><\/p>\n<p>Im Riesenslalom von Schladming sind die ersten 15 Fahrer im Ziel, im Command Center wird schnell und konzentriert gearbeitet. Luca von Siebenthal misst die Zeiten von Tor zu Tor; Bruhin schneidet Videos zusammen. Ziel ist es, dass die Trainer alle Analysen zur Verf\u00fcgung haben, wenn die Nummer 30&amp;nbsp;den Lauf beendet hat.<\/p>\n<p>Verglichen werden alle mit dem schnellsten Fahrer des ersten Durchgangs, in diesem Fall Lo\u00efc Meillard. Seine Zeit bildet in einer Grafik eine gerade Linie, die anderen Kurven verlaufen im Zickzack. So erfassen die Trainer auf einen Blick, wo Zeit gewonnen oder verloren wurde. Nach seinem Ausscheiden beim Saisonstart in S\u00f6lden hatte Marco Odermatt diese Grafik angeschaut, ehe er mit den Journalisten redete. Deshalb konnte er sich gelassen geben: \u00abIch weiss, dass die Form stimmt. An dem Tor, an dem ich ausschied, hatte ich 0,7 Sekunden Vorsprung.\u00bb<\/p>\n<p>In Schladming gelingt dem 27-J\u00e4hrigen der erste Durchgang nicht nach Wunsch. Luca von Siebenthal setzt seine Messpunkte und sagt: \u00abDie \u2039Banane\u203a ist Odi ganz anders gefahren.\u00bb Bruhin schneidet die dazugeh\u00f6rigen Bilder: \u00abEr hat viel mehr Weg gemacht.\u00bb Die Videos, die Bruhin nach Schladming schickt, zeigen zwei Athleten nebeneinander in der gleichen Passage. Oder die Fahrer werden in einem Bild \u00fcbereinandergelegt. Letzteres ist in den technischen Disziplinen eher eine Zugabe, in Speed-Rennen aber sehr hilfreich, weil dort die Linienwahl entscheidend ist.<\/p>\n<p><strong>Auf dem Smartphone greifbar<\/strong><\/p>\n<p>Mit den Daten und Bildern kann man endlos spielen. Bruhin sagt, in den vergangenen Jahren habe man den Trainern mehr Material zur Verf\u00fcgung gestellt als in der laufenden Saison. Feedbacks zeigten, dass mehr nicht immer besser ist. Coach und Athlet k\u00f6nnen zwischen zwei L\u00e4ufen nur eine begrenzte Anzahl Inputs umsetzen. Deshalb gibt es heute ein Bestellformular, auf dem die Trainer angeben, was sie wollen. Dazu geh\u00f6ren Daten aus dem zweiten Durchgang, die Anhaltspunkte f\u00fcr das Training liefern.<\/p>\n<p>Die Coachs k\u00f6nnen ihre Positionen am Streckenrand w\u00e4hrend des Rennens nicht verlassen. Fr\u00fcher gab es Leute, die ihre Speicherkarten einsammelten, um dann im Zielraum Videos zu produzieren. Im Command Center geht das viel schneller. Die Grafiken und die Videos werden in einen Chat gestellt, so dass sie auf dem Smartphone sofort greifbar sind. Auch deshalb ist es wichtig, dass keine Datenflut entsteht.<\/p>\n<p>Erkenntnisse, die w\u00e4hrend der Saison gesammelt werden, k\u00f6nnen auch in der Ausbildung von Trainern eingesetzt werden. Je genauer die Techniker wissen, welche Torabst\u00e4nde, Figuren und Rhythmen auf dem h\u00f6chsten Niveau \u00fcblich sind, desto besser k\u00f6nnen junge Athletinnen und Athleten an dieses Niveau herangef\u00fchrt werden. Es geht nicht nur darum, dass Odermatt heute schnell ist \u2013 schon heute werden seine Nachfolger aufgebaut.<\/p>\n<p>Aus dem NZZ E-Paper vom 15.02.2025<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Swiss Ski nutzt im neuen Command Center die Wissenschaft, um Athleten noch schneller zu machen \u2013 dabei z\u00e4hlt jede Sekunde Remo Geisser, NZZ Ende Januar, Ski-Weltcup in Schladming: Thomas Tumler steht im Starthaus, ein Piepston k\u00fcndigt an, dass das Rennen gleich losgeht. Als sich der Athlet abst\u00f6sst, brandet am Pistenrand Jubel auf. 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